Chirurgie

Es kommen folgende Personen für ein operatives Verfahren in Frage:

Krankhaftes Übergewicht, definiert durch einen Body-Mass-Index ≥ 40 kg/m², ist eine eigenständige chronische Erkrankungen, das mit vielen Folgeerkrankungen assoziiert ist. Zu diesen zählen auch:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus 2)
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie)
  • Erhöhte Harnsäure (Hyperurikämie)
  • Fettleber (Steatosis hepatis)
  • Gelenksabnützung (Arthrosen, Bandscheibenprobleme)
  • erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen
  • erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen

Durch rein diätetische Maßnahmen mit oder ohne zusätzlicher medikamentöser Unterstützung lässt sich bei krankhaften Übergewicht meist kein dauerhafter Gewichtsverlust erreichen. Daher kann und soll ein chirurgischer Eingriff zur Behandlung des krankhaften Übergewichtes erwogen werden.

Folgende Kriterien müssen für einen chirurgischen Eingriff zur Therapie des Übergewichts

BMI über 40 kg/m², bei spezieller medizinischer Indikation (z.B: ausgeprägtes metabolisches Syndrom, schwere Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates) auch bei einem BMI zwischen 35-39.9 kg/m²

  • Adipositas länger als 5 Jahre
  • Versagen aller konservativen Methoden
  • Keine endokrinologische Ursache des Übergewichtes
  • Keine bestehende Tumorerkrankung
  • Kompliance des Patienten (regelmäßige postoperative Kontrolle, Bereitschaft
  • zur Ernährungsumstellung, Verständnis für die Wirkung der OP-Methode)
  • Vertretbares operatives Risiko

Derzeit fordern die Krankenkassen vor der Übernahme der Operationskosten eine Indikationsstellung durch einen Internisten.
Die präoperative psychiatrische Evaluierung ist nicht überall obligat, jedoch in den Richtlinien der wichtigsten Adipositasgesellschaften inkludiert.

Welche Operationsverfahren gibt es?

Die Wirkung der Adipositasoperationen beruhen auf 2 Prinzipien: einerseits der Restriktion (Begrenzung der Zufuhr an Nährstoffen) und andererseits der Malabsorbtion (Verhinderung der Aufnahme von Nahrung aus dem Gastrointestinaltrakt ins Blut).

Tabelle 1. Übersicht der OP-Methoden

OP-Methode restriktiv malabsorbtiv laparoskopisch Individuell einstellbar
Gastric Banding (LAGB) X   x x
Magenbypass (RYGB) x X x  
Magenschlauch x   x  
Magenschrittmacher (x)   x x

Manche Verfahren kombinieren auch beide Wirkungsprinzipien, dazu zählt man etwa den Magenbypass.
Die neueste Methode, der Magenschrittmacher (Gastric-Pacer), lässt sich zu keinem der Wirkprinzipien zuordnen.
Magenbypässe stellen auch in Österreich die häufigste OP-Methode dar, und lösen immer mehr Magenband-Operationen ab.

Die jüngste Methode ist der Magenschlauch, der entweder als primäre Massnahme gewählt wird oder bei Super-Obesity zur Gewichtsreduktion vor einem Magenbypass durchgeführt wird.

Wann welches Operationsverfahren

Es gibt keine allgemein gültige Regel welche chirurgische Behandlungsmethode die optimale für alle morbid adipösen Patienten ist.
Zur Entscheidungsfindung sind folgende Punkte sind zu bedenken:

  1. Ausmass der Gewichtsreduktion
  2. Komplikationen
  3. Mortalität
Tabelle 2. Darstellung der einzelnen Operationsmethoden und deren Effektivität sowie mögliche Komplikationen und Letalität.

OP-Methode OP-Letalität Reduktion d. Übergewichts Komplikationen
Gastric Banding (LAGB) 0-0.1% 40-60% Slippage (2-11%), Pouch, Pouchnekrose, Bandmigration (1-3%), -leakage, Portinfektionen (10%), Nahrungsbolus
Magenbypass (RYGB) 0-1.5% 50-70% Anastomoseninsuffizienz, -ulzera (1.5%), Dumpingsyndrom, Mangelerscheinungen)

Bei Diabetes mellitus oder Bandversagen ist ein Magenbypass zu empfehlen.

Jedoch müssen Pro und Kontra gemeinsam mit dem Patienten abgewogen werden und so gemeinsam die individuell beste Methode gefunden werden.




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